Spastik nach Schlaganfall

Ursachen, Symptome & Therapie

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Eine Spastik nach einem Schlaganfall ist eine neurologische Bewegungsstörung. Sie entsteht durch Schäden im Gehirn, die zu einer Übererregbarkeit der Muskulatur führen.
  • Zeitverlauf: Die spastische Lähmung tritt meist nicht am Tag des Schlaganfalls auf, sondern kann sich auch erst Wochen oder Monate nach dem Schlaganfall entwickeln.
  • Warnzeichen: Ein ansteigender Muskeltonus, unwillkürliches Muskelzucken und fühlbare Widerstände beim Bewegen von Gliedmaßen sind frühe Anzeichen einer Spastik nach Schlaganfall.
  • Therapie: Die Therapie der Spastik nach Schlaganfall besteht typischerweise aus einer Kombination physikalischer und medikamentöser Maßnahmen. Ziel ist es, die motorische Erholung zu fördern und ein Voranschreiten der Spastik und Folgeschäden vorzubeugen.

Was ist ein Schlaganfall und was sind erste Anzeichen?

Ein Schlaganfall (Apoplex) ist eine plötzliche Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn, die zu einer umschriebenen Schädigung des Hirngewebes führt. Durch den akuten Sauerstoffmangel sterben Nervenzellen ab, was unmittelbare neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Sprachstörungen auslösen kann.

Die schnellstmögliche Erkennung und Behandlung sind entscheidend, um bleibende Schäden nach dem Schlaganfall zu minimieren. Das Zeitfenster für eine verschlusslösende (thrombolytische) Behandlung nach Auftreten eines ischämischen Schlaganfalls wird aktuell mit 4,5 Stunden angegeben – eine Überschreitung ist mit höherem Auftreten bleibender Folgeschäden verbunden.

Der FAST-Test zur schnellen Erkennung:

Um akute Anzeichen eines Schlaganfalls sofort zu identifizieren, hilft der weltweit etablierte und einfach zu erfassende FAST-Test:

  • F – Face (Gesicht):
    Hängt ein Mundwinkel beim Versuch zu lächeln einseitig herab?
  • A – Arm:
    Lässt sich ein Arm nicht heben oder sinkt er plötzlich ab?
  • S – Speech (Sprache):
    Ist die Sprache plötzlich verwaschen, lallend oder unverständlich?
  • T – Time (Zeit):
    Tritt auch nur eines dieser Symptome auf, muss sofort der Notruf (112) gewählt werden. Jede Verzögerung kann die Prognose der Patient*innen verschlechtern.

Schlaganfall-Symptome bei Frauen

Frauen zeigen neben den klassischen Warnzeichen häufiger untypische Symptome, die zu einer verzögerten Diagnose führen können. Dazu zählen akute Verwirrtheitszustände oder Bewusstseinsstörungen, plötzliche Kopfschmerzen, allgemeine generalisierte Schwäche oder Übelkeit.

Der stumme Schlaganfall

Ein „stummer Schlaganfall“ verursacht keine offensichtlichen, akuten Symptome, hinterlässt aber strukturelle Schäden im Gehirn, die im MRT nachweisbar sind und das Risiko für zukünftige Schlaganfälle sowie Demenz erhöhen.

Schlaganfall Ursachen: Wie entsteht ein „Hirnschlag“?

Ein „Hirnschlag“, im Volksmund als Schlaganfall bezeichnet, entsteht durch eine plötzliche Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns. Die Auslöser für einen Schlaganfall lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen: den Gefäßverschluss (Ischämie) und die Hirnblutung (Hämorrhagie).

Ischämischer Schlaganfall (Gefäßverschluss)

In etwa 80 % der Fälle ist ein Gefäßverschluss die Ursache. Hierbei verstopft ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie, wodurch das dahinterliegende Gewebe nicht mehr versorgt wird. Mögliche Ursachen für einen ischämischen Schlaganfall sind:

  • Vorhofflimmern: Bei dieser Herzrhythmusstörung können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden. Diese können mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt werden und dort einen embolischen Infarkt auslösen.
  • Arteriosklerose: Die „Gefäßverkalkung“ führt zu Ablagerungen an den Gefäßwänden. Lösen sich diese, entsteht ein Gerinnsel, das kleine Hirngefäße verstopfen kann.

Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung)

Etwa 20 % der Schlaganfälle entstehen durch das Einreißen eines Blutgefäßes im Gehirn. Zusätzlich zur unterbrochenen Blutversorgung drückt das austretende Blut auf das umliegende Nervengewebe und schädigt dieses.

  • Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie): Chronisch erhöhter Blutdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für einen Schlaganfall durch Blutung. Die Blutgefäße können im Rahmen einer Hypertonie weniger elastisch sein, was das Entstehen von Läsionen fördern kann.
  • Aneurysmen: Angeborene oder erworbene Aussackungen der Gefäßwände können plötzlich platzen.

Schlaganfall vorbeugen: Risiko minimieren

Das individuelle Risiko für einen Schlaganfall lässt sich durch gezielte Prävention senken. Schätzungen zufolge gehen etwa 90 % aller Schlaganfälle auf beeinflussbare Risikofaktoren zurück. Die konsequente Vorbeugung eines Schlaganfalls setzt auf die Optimierung des Lebensstils und medizinische Vorsorge.

Wichtige Risikofaktoren für einen Schlaganfall im Überblick

Die Identifikation der persönlichen Risiken ist der erste Schritt, um einem Schlaganfall vorzubeugen. Im Folgenden werden einige Beispiele genannt:

Begleiterkrankungen:

  • Bluthochdruck ist ein wichtiger Risikofaktor und schädigt dauerhaft die Gefäßwände.
  • Vorhofflimmern erhöht das Risiko für Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall auslösen können.

Stoffwechselstörungen:

  • Diabetes mellitus: Erhöhte Blutzuckerwerte fördern Entzündungen und Durchblutungsstörungen.
  • Fettstoffwechselstörungen: Hohe Cholesterinwerte führen zu Ablagerungen (Plaques) in den Arterien.
  • Lebensstilfaktoren: Rauchen, Bewegungsmangel und Adipositas (starkes Übergewicht).

Effektive Maßnahmen zur Vorbeugung

Um einen Schlaganfall vorbeugen zu können, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  1. Behandlung von Vorerkrankungen: Zielwerte eines Diabetes oder einer Hypertonie sollten individuell mit den Ärzt*innen besprochen und durch Lebensstiländerung oder ggf. medikamentös verbessert werden.
  2. Lebensstil: Gesunde Ernährung in Form von mediterraner Kost (viel Gemüse, gesunde Fette wie Olivenöl, wenig rotes Fleisch) mit reduzierter Salzzufuhr, ausreichend alltägliche Bewegung und Rauchverzicht sind mit geringeren Risiken für Schlaganfälle und kardiovaskulären Erkrankungen verbunden.
  3. Check-ups nutzen: Regelmäßige Untersuchungen auf Herzrhythmusstörungen und Gefäßverkalkungen ab dem 35. Lebensjahr.

Wie entsteht Spastik nach einem Schlaganfall?

Spastik nach einem Schlaganfall entsteht, wenn durch den Schlaganfall motorische Zell- und Nervenbahnsysteme im Gehirn – der sogenannten „oberen Motoneurone“ – geschädigt werden.

Mehr Informationen zur Entstehung einer Spastik finden Sie in unserem Artikel zu Was ist Spastik?

Vom Schlaganfall zur spastischen Lähmung:

  1. Akutphase: Unmittelbar nach dem Schlaganfall ist das betroffene Körperteil meist kraftlos – es fehlen Reflexe und Kontrolle über die Extremität.
  2. Übergangsphase: Das Nervensystem versucht, sich zu regenerieren. Diese neuroplastische Reorganisation kann Übererregbarkeit und enthemmte Reflexe begünstigen.
  3. Chronische Phase: Es kommt zur spastischen Parese. Der Muskeltonus ist dauerhaft erhöht, Reflexe sind fehlreguliert.

Wann tritt Spastik nach einem Schlaganfall auf?

Eine Spastik entwickelt sich typischerweise nicht unmittelbar zum Zeitpunkt des Schlaganfalls. Sie ist das Resultat eines fortschreitenden, fehlerhaften Umbauprozesses im Nervensystem und tritt normalerweise erst Wochen bis Monate nach dem Akutereignis in Erscheinung. Erste messbare Anzeichen können jedoch schon innerhalb der ersten 4 Wochen registriert werden.

Erste Anzeichen für eine Spastik:

  • Widerstand bei Alltagsbewegungen: Probleme beim Anziehen oder bei der Körperpflege, weil die Hand nicht mehr leicht geöffnet werden kann oder der Arm sich nicht mehr beugen lässt.
  • Spontane Spasmen: Unwillkürliches Muskelzucken oder plötzliche Krämpfe oft nachts oder bei Positionswechseln.
  • Schmerz: Ziehende Schmerzen in den betroffenen Muskeln

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Spastik nach Schlaganfall sind Lage und Größe der Hirnschädigung, mittelschwere bis schwere Lähmungen und Sensibilitätsstörungen. Bei bis zu 40% der Schlaganfallpatient*innen treten mehr als 3 Monate nach Schlaganfall spastische Symptome auf.

Symptome: Wie äußert sich eine spastische Lähmung?

Das klinische Hauptmerkmal der spastischen Lähmung ist das sogenannte Taschenmesser-Phänomen. Es beschreibt einen stark erhöhten, geschwindigkeitsabhängigen Widerstand im Muskel, der bei weiterer Dehnung plötzlich nachlässt – wie die Klinge eines Taschenmessers.

Mehr Informationen zu den klinischen Erscheinungsbildern einer Spastik finden Sie in unserem Artikel zu Spastik – was ist das?

Unterschied: Spastik nach Schlaganfall vs. Rigor

Obwohl sowohl Spastik als auch Rigor laienhaft als „Muskelsteifheit“ wahrgenommen werden können, handelt es sich um unterschiedliche neurologische Störungen mit unterschiedlichen Ursachen, die auch grundlegend anders medikamentös behandelt werden müssen.

Anders als eine Spastik ist Rigor ein zentrales Symptom der Parkison-Krankheit und geht mit einem konstant erhöhten Muskelwiderstand über den kompletten Bewegungsradius einher.

Mehr Informationen zu den Unterschieden zwischen Spastik und Rigor finden Sie in unserem Artikel Rigor vs. Spastik.

Hinweis: Da viele Schlaganfallpatient*innen ein höheres Lebensalter aufweisen, kann eine unentdeckte Parkinson-Krankheit parallel bestehen. Eine genaue neurologische Differentialdiagnose ist hier wichtig.

Wie wird Spastik nach Schlaganfall therapiert?

Die Therapie der Spastik nach Schlaganfall erfordert – wie auch die Therapie einer Spastik mit anderer Ursache – einen multimodalen Ansatz. Eine Kombination aus physikalischen und medikamentösen Therapieoptionen hat sich als effektiv erwiesen. Ziel ist es, den pathologischen Muskeltonus zu senken, Schmerzen zu lindern und Gelenkversteifungen (Kontrakturen) vorzubeugen.

Speziell bei Schlaganfällen ist es wichtig, so früh wie möglich mit Rehabilitationsmaßnahmen zu beginnen, um die postakute Phase der neuroplastischen Reorganisation des Gehirns auszunutzen. In der Regel wird die Rehabilitation von einem multiprofessionellen Team u.a. aus Mediziner*innen, Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeut*innen, Psycholog*innen und Logopäd*innen begleitet. Ein früher Start dieser Maßnahmen ist mit einer verbesserten Genesung und weniger Komplikationen verknüpft.

Mehr Informationen zu den Behandlungsoptionen bei einer Spastik finden Sie in unserem Ratgeber zu Spastik behandeln.

Ist eine spastische Lähmung nach Schlaganfall heilbar?

Eine spastische Lähmung ist nicht vollständig heilbar, da das durch den Schlaganfall abgestorbene Hirngewebe irreversibel zerstört ist. Das Gehirn ist aber in der Lage, funktionsloses Gewebe zu umgehen und andere Nervenbahnen zu nutzen – die neuroplastische Reorganisation. Diese Phase macht man sich in der Versorgung von Schlaganfallpatient*innen zunutze, um Folgeschäden – wie Spastiken – vorzubeugen. Die Ausprägung einer möglichen Spastik und die daraus resultierenden Einschränkungen lassen sich heutzutage jedoch durch moderne Therapien kontrollieren, sodass eine verbesserte Lebensqualität und Schmerzreduktion erreicht werden können.

Prognose und Lebenserwartung:

Die Spastik selbst ist nicht lebensverkürzend. Die durchschnittliche Lebenserwartung nach einem Schlaganfall wird primär durch das Alter, das Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren und die Prävention von Folgeerkrankungen bestimmt. Ein gut eingestellter Muskeltonus beugt jedoch schmerzhafte Folgekomplikationen vor und steigert die Lebensqualität.

Häufig gestellte Fragen zu Schlaganfall und Spastik

Quellenangaben

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